Ein kooperatives Arbeitsmodell mit dem Ziel eines generationenübergreifenden Erfahrungsaustausches und Wissenstransfers bildet das Rückgrat der ärztlichen Arbeit. Studierende, Ärzte in Weiterbildung, praktizierende Allgemeinärzte und Ärzte im Rentenalter arbeiten in der täglichen Patientenbetreuung ebenso zusammen wie in der gegenseitigen Fort- und Weiterbildung. Die intensive Kooperation macht variable Arbeitszeitmodelle ebenso möglich wie integrierende Fortbildungen für alle Beteiligten.

Akquise älterer Hausärzte, die sich in der Regelversorgung und in der Ausbildung von angehenden Kollegen und ärztlichen Wiedereinsteigern über die reguläre Lebensarbeitszeit hinaus engagieren.

Mehr Hausärzte werden in den kommenden Jahren berentet als junge Kollegen Praxen übernehmen. Lebenserfahrung und die über viele Jahre erworbene berufliche Expertise gehen unwiederbringlich verloren. Beides ist gerade für die hausärztliche Arbeit von unschätzbarem Wert, wenn eine kontinuierliche Qualität in der „Biopsychosozialen Gesamtschau“ in Krankheitsfällen erhalten werden soll. Eine generationenübergreifende Zusammenarbeit im ärztlichen Team verhindert den Verlust von über Jahren erworbenen Kenntnissen im Umgang mit Patienten.

Studierende frühzeitig in das Ärzteteam integrieren und an den Beruf heranführen

Studierenden wird das Fach Allgemeinmedizin trotz zunehmender Anzahl von Lehrstühlen im Studium nur unzureichend erfahrbar gemacht. Die Ausbildung im „supra-spezialisierten Zentrum Universitätsklinik“ (Eigenangaben der Universitäten) macht es den jungen, angehenden Ärzten nur schwer möglich, die Bedingungen der Primärversorgung mit ihren Notwendigkeiten und Chancen realistisch zu erleben. Blockpraktika, das Wahlfach im Praktischen Jahr und die sogenannten „Pflicht-Famulaturen“ in der Hausarztpraxis sind eine große Chance, diesen Mangel auszugleichen. Qualifizierte Angebote stellen sicher, dass Studierende in der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit im Niedrigprävalenzbereich der Hausarztpraxis die wesentlichen Aufgabenbereiche und die spezifische Arbeitsweise kennen lernen. Sorgen vor der außerordentlichen Bandbreite der zu erwartenden Beratungsursachen und dem Umgang mit der Unschärfe der Symptome in diesem Bereich können so ausgeräumt und Strategien zur qualitativ hochwertigen Patientenversorgung aufgezeigt werden.Gleichzeitig besteht die Chance, den hospitierenden Studierenden aus der Großstadt die positiven Aspekte des Lebens im ländlich strukturierten Raum zu vermitteln.

Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen den Generationen

Nach der „Lernpyramide nach Miller (1990)“ wird der größte Lernerfolg erzielt, wenn der gelernte Gegenstand Dritten gelehrt wird. Dieses System wird genutzt, um innerhalb von Gruppen mit unterschiedlichem Ausbildungsstand Sach-Themen kompetent und wirksam zu lehren und zu lernen. Dies ist in einem generationenübergreifenden Team sehr gut möglich. Notwendig sind unterschiedliche Formate, die den jeweiligen Lerninhalten optimal Rechnung tragen. Die gleichzeitige Funktion als Lehrende und Lernende optimiert die Adhärenz innerhalb des Fort- und Weiterbildungsprojektes.

Supervision durch ältere und erfahrene Ärzte

Studierende geben an, dass sie die Bandbreite des für die tägliche Arbeit in der Praxis notwendigen Wissens und die Schwierigkeit im Umgang mit den oft uncharakteristischen Symptomen von der Tätigkeit als Hausarzt abschrecken. Ältere und erfahrende Kollegen können hier einen wesentlichen Beitrag zur Entängstigung leisten. Mit ihrer Erfahrung im Umgang mit den täglichen Problemen in der Patientenbetreuung und den in vielen Fällen erfolgreich angewandten Strategien in schwierigen Situationen leisten sie einen konstruktiven Beitrag. Sie nehmen jungen Kollegen die Sorge, nicht ausreichend ausgebildet zu sein und demonstrieren einen kompetenten Umgang mit der „Unschärfe“.